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BERLINER ZEITUNG

Montag, 28. Januar 2002   OK!

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Helfer mit Hubschrauber

Ein Zahnarzt sammelt Kunstwerke und versteigert sie für ein Waisenhaus

Thomas Götz

ROM, im Januar. In der römischen Praxis von Michael Schmitz liegt ein Sarg. Er ist aus hellem Holz gezimmert und ganz schlicht. "Pinocchio" steht drauf und die Anschrift des Zahnarztes aus Leverkusen, der seit zehn Jahren in Rom arbeitet. Pinocchio liegt im Sarg, besteht aus rindenbestückten Holzscheiten und ist vor kurzem von Venedig nach Rom gereist. In Venedig war das Kunstwerk auf der Biennale ausgestellt. Nun soll der Lügner mit der langen Nase versteigert werden, damit in Südafrika ein Waisenhaus entstehen kann.

 Die Idee ist dem 38-jährigen Michael Schmitz unter der Dusche gekommen. Sie schien ganz einfach: "Ich wollte alles kombinieren, was mir wichtig ist und Spaß macht: Hubschrauber fliegen, Kunst sammeln, Kindern helfen und einen Beitrag zur Verständigung der Religionen leisten." Im Hubschrauber, so träumte Schmitz, wollte er um die Welt fliegen und unterwegs Künstler oder andere Spender um Kunstwerke bitten. Am Ende würde ein Auktionshaus die Sammlung unter den Hammer bringen. Aus dem Traum wurde ein konkretes Projekt. Um Ostern herum will Schmitz in Rom starten, enden wird die lange Reise in Berlin. Zwei Jahre lang wird er unterwegs sein - mit Unterbrechungen, schließlich muss er seine Praxis weiterführen.

Der Erlös aus der Versteigerung soll dem Bau eines Waisenhauses dienen, das Kinder aller Weltreligionen zusammenbringt. Als Standort dafür hat Schmitz Südafrika auserkoren: "Weil mir das Land gefällt, und weil sich dort besonders deutlich zeigt, wie wichtig Toleranz ist." Ein Grundstück am Rande des Kruger-Nationalparks hat die Regierung schon zur Verfügung gestellt.

Der Papst betet für ihn

Die Idee, dass "Religionen sich nicht zanken sollten", beschäftigt Michael Schmitz schon lange. Auch die Weihnachtskarte, die seine Patienten erhielten, stand im Zeichen dieses Gedankens. In vielen Sprachen wanden sich "Frohe Festtage" aus einer Zahnpastatube, auch auf Hebräisch und Arabisch. Vielleicht drängt sich so eine Idee ja auf, wenn man täglich die Gebisse von Muslimen, Juden, Christen und Gläubigen anderer Bekenntnisse repariert. Vor ihrem Zahnarzt sind alle Menschen gleich. An internationalem Anschauungsmaterial fehlt es dem Spezialisten für Implantationsmedizin und Kosmetische Zahntechnik nicht. Seine Klienten kommen aus Cinecitta, aus dem Vatikan, aus den Botschaften vieler Länder. "Nun möchte ich meine Freundschaften nützen, um etwas Sinnvolles zu tun", sagt Schmitz.

Was ihn, den Protestanten, besonders freut, ist die ideelle Unterstützung durch den Papst. "Ich glaube nicht, große Veränderungen erreichen zu können, jedoch ergeben viele friedliche Menschen ein friedliches Volk", schrieb er an Johannes Paul II. Zu dem Brief legte er einen Entwurf des Projekts. Der Papst ließ ihm zwei Wochen später ausrichten, dass er das Projekt "in sein eigenes Beten einschließt".

Am Anfang stand der "Kinderbaum" in Venedig. Harald Szeemann, der Kurator der Biennale di Venezia 2001, überließ dem Zahnarzt einen Raum auf dem Ausstellungsgelände. Dort stellte Schmitz seinen Hubschrauber auf. Eigenhändig schweißte er ein Dickicht aus Stahlrohren um das Fluggerät zusammen. Wer sich an dem Projekt beteiligen wollte, durfte ein Blatt an den Stahl-Baum heften, auf dem die Art seines Beitrags stand. Vladimir Nikolic und seine Architekturstudenten an der Hochschule Aachen versprachen, Pläne für das Kinderheim zu liefern. "Jeder kann helfen", sagt Schmitz. "Vielleicht denkt sich der eine oder andere: ,Ich nehm das Bild von der Oma von der Wand und schick es dem Schmitz hinunter ." Die ersten Kunstwerke stehen bereits in der Praxis herum.

Zur Finanzierung der laufenden Kosten seines Waisenhauses kam Schmitz eine originelle Idee. In der Nähe des Heims soll eine Safari-Lodge entstehen. Wer dort absteigt, finanziert das Haus der Kinder mit. Oder das nächste Haus, irgendwo anders. Im Traum des Dr. Schmitz ist das Kinderheim von Südafrika nämlich bloß das Pilotprojekt. "Ich möchte, dass überall Kinderbäume aus dem Boden schießen."

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In zwei Jahren um die Welt

Michael Schmitz plant für seinen Hubschrauberflug um die Welt, bei dem er Geld für den Bau eines Waisenhauses sammeln will, insgesamt zwei Jahre ein. Er rechnet mit bis zu 150 Flugtagen. Zwischendurch wird er immer wieder nach Rom zurückkehren, um seine Zahnarztpraxis weiterzuführen.

Starten wird Schmitz um Ostern herum in Rom. Enden wird seine Tour in Berlin. In der Zwischenzeit wird Schmitz etwa 80 000 Kilometer zurücklegen.

Informationen zu Schmitz Flug:


www.kinderbaum.org


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